Neurovaskuläres Netzwerk Sachsen-Anhalt Nord zieht Bilanz

13.03.2026 -  

 

Innovationen stärken Schlaganfallversorgung

„Seit der Gründung des Neurovaskulären Netzwerks Sachsen-Anhalt Nord („NeuvaNet SAN“) im Jahr 2025 wurden wichtige Fortschritte in der Schlaganfallversorgung der Region erreicht. Ein besonderer Entwicklungsschritt ist der Pilotbetrieb der digitalen Plattform „TRAIL“. Diese in Deutschland einzigartige Plattform verbindet ein Echtzeit-Dashboard mit blockchainbasierter (fälschungssicherer) Dokumentation und KI-gestützter Qualitätsanalyse und soll perspektivisch allen Netzwerkpartnern zur Verfügung stehen.

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Partnerkliniken und Netzwerkbeteiligte des Neurovaskulären Netzwerks Sachsen-Anhalt Nord („NeuvaNet SAN“) beim Netzwerktreffen auf dem Campus der Universitätsmedizin Magdeburg. Foto: Melitta Schubert / UMMD

Netzwerktreffen

Am 12. März 2026 hat das Neurovaskuläre Netzwerk Sachsen-Anhalt Nord zum Netzwerktreffen eingeladen. In einem vielfältigen Programm wurden aktuelle Entwicklungen und Innovationen der regionalen Schlaganfallversorgung vorgestellt und diskutiert. Hierbei fand die Wahl von zwei stellvertretenden Netzwerksprechern statt. Die gewählten Stellvertreter sind. Dr. med. Cornelius Werner, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Johanniter-Krankenhaus Stendal, sowie Dr. med. Tobia J. Müller, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben.

Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Magdeburg, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Anschließend stellten Prof. Dr. Daniel Behme, Direktor der Universitätsklinik für Neuroradiologie, und Dr. Jens Neumann aus der Universitätsklinik für Neurologie – beide medizinische Projektleiter – den aktuellen Projektstand des Netzwerks vor.

Meilensteine in der Schlaganfallversorgung

Im vergangenen Jahr hat das Netzwerk mehrere strukturelle und organisatorische Fortschritte erzielt. Ein Meilenstein war die erstmalige Durchführung einer mechanischen Thrombektomie durch ein mobiles neuroradiologisches Interventionsteam außerhalb der Universitätsmedizin Magdeburg im Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben in Wernigerode. Damit wurde gezeigt, dass hochspezialisierte Schlaganfallbehandlungen auch wohnortnah in Partnerkliniken möglich sind.

Ein weiterer Schritt war die Einrichtung eines überregionalen neurovaskulären Boards. In diesem interdisziplinären Gremium werden komplexe Fälle gemeinsam besprochen und Therapieentscheidungen standortübergreifend abgestimmt.

Prof. Heinze betonte: „Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern mit der ältesten Bevölkerung Deutschlands und verzeichnet jährlich rund 10000 Schlaganfälle. Umso wichtiger ist eine lückenlose, gut koordinierte Versorgung. Unser Ziel ist es, Interventionszeiten deutlich zu verkürzen und Patientinnen und Patienten schneller in die bestmögliche Behandlung zu bringen. Die klinikübergreifende Netzwerkstruktur schafft dafür die Grundlage, indem sie Expertise bündelt und Behandlungswege effizient vernetzt.“

Vernetzte Versorgungsstruktur

„Das gemeinsame Netzwerk verfolgt das Ziel, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit neurovaskulären Erkrankungen nachhaltig zu verbessern, insbesondere bei ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen. Durch die enge Zusammenarbeit der aktuell beteiligten regionalen Krankenhäuser entstand eine vernetzte Versorgungsstruktur, die schnelle Diagnostik und leitliniengerechte Therapie ermöglicht“, so Prof. Behme.
Zentrale Bausteine sind ein netzwerkweites Echtzeit-Stroke-Dashboard zur Visualisierung aktiver Fälle, KI-gestützte Warnmeldungen bei Großgefäßverschlüssen sowie ein standortübergreifendes Monitoring der Behandlungspfade. Ergänzend ermöglicht ein dezentrales neurovaskuläres Board die sichere, verschlüsselte Besprechung komplexer Fälle.

Digitale Innovation: Plattform „TRAIL“

Ein weiterer Entwicklungsschritt ist der Pilotbetrieb der von Dr. Neumann an der Universitätsmedizin Magdeburg entwickelten, deutschlandweit bislang einzigartigen digitalen Plattform „TRAIL“, die ein Echtzeit-Dashboard mit fälschungssicherer Dokumentation und KI-gestützter Qualitätsanalyse verbindet. In der nächsten Projektphase soll das System auf alle Netzwerkpartner ausgeweitet werden.
„Bisher mussten Kliniken ihre Daten aktiv an zentrale Register melden, oft Wochen später, analog und ohne Garantie der Datenintegrität. TRAIL dreht dieses Prinzip um: Die Dokumentation entsteht in Echtzeit direkt im klinischen Workflow, wird über eine blockchain-ähnliche Technologie manipulationssicher gespeichert und ermöglicht erstmals eine standortübergreifende Vergleichbarkeit der Behandlungsqualität im gesamten Netzwerk“, so Dr. Neumann.

Organisatorische Weiterentwicklungen

Auch organisatorisch wurden wichtige Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählen die Aktualisierung gemeinsamer Standard Operating Procedures (SOPs), ein Verfahren zur beschleunigten Sekundärverlegung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten sowie die Weiterentwicklung einer FAST-Score-App für den Rettungsdienst. Diese ermöglicht eine schnellere Einschätzung möglicher Schlaganfälle.
Zur weiteren Stärkung der Zusammenarbeit mit dem präklinischen Bereich fand zudem eine Rettungsdienstveranstaltung unter der Leitung von Prof. Behme und Dr. Neumann statt, bei den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in der Schlaganfallversorgung diskutiert wurden.

Hintergrundinformationen

Neurovaskuläres Netzwerk Sachsen-Anhalt Nord

Die offizielle Auftaktveranstaltung des Netzwerks fand am 11. Juni 2025 statt. Dabei wurde die Rahmenvereinbarung zwischen den beteiligten Partnerinstitutionen unterzeichnet.
Das Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R. – mit der Universitätsklinik für Neuroradiologie, der Universitätsklinik für Neurologie und der Universitätsklinik für Neurochirurgie – übernimmt innerhalb des Netzwerks die Rolle des koordinierenden Zentrums. Zum Neurovaskulären Netzwerk gehören mehrere Krankenhausträger sowie weitere Akteure der Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt Nord. Eine Erweiterung durch zusätzliche Partnerkliniken oder Institutionen ist jederzeit möglich.
(http://neuvanetsan.med.ovgu.de)

Aufgaben und Ziele des Netzwerks

  • interdisziplinäre Fallkonferenzen im neurovaskulären Board
  • schnelle Diagnostik und Therapie bei Schlaganfällen
  • telemedizinische Beratung zwischen den Partnerkliniken
  • Entwicklung einheitlicher Behandlungsstandards und SOPs
  • Qualitätssicherung und Fortbildung
  • Koordination von Verlegungen und Interventionen innerhalb des Netzwerks

Hintergrund: Schlaganfall

Ein Schlaganfall entsteht meist durch den Verschluss einer Arterie im Gehirn. Dadurch wird das betroffene Hirngewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und kann dauerhaft geschädigt werden. Deshalb gilt: Je schneller die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu vermeiden.

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall muss die betroffene Person schnellstmöglich in eine spezialisierte Schlaganfallstation (Stroke Unit) gebracht werden.

Typische Symptome sind plötzlich auftretende Schwäche, Lähmungen oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite, Sehstörungen sowie Sprach- oder Sprechprobleme. Der Schlaganfall zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen und ist zugleich der häufigste Grund für dauerhafte Behinderungen im Erwachsenenalter.

Letzte Änderung: 13.03.2026 - Ansprechpartner: Webmaster