PJ-Reife im Fokus

29.04.2026 -  

Im Rahmen einer Studiengangskonferenz am 22. April 2026 zum Thema „Kompetenzorientierung im Studium Humanmedizin: PJ-Reife im Fokus“ diskutierten Studierende und Lehrende gemeinsam mit internen und externen Experten auch anderer Hochschulen und Alumnis zentrale Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven der medizinischen Ausbildung.

Im Vorfeld der Studiengangskonferenz fanden jeweils eine Studierenden- und eine Lehrendenumfrage zu drei Leitfragen der Studiengangskonferenz statt:

  • Was müssen Studierende zu Beginn des PJ können?
  • Wie können wir die klinisch-praktische Kompetenzentwicklung fördern?
  • Wie können wir die PJ-Reife validieren?

Die Teilnehmenden hoben hervor, dass eine konsequente Orientierung am nationalen kompetenzorientierten Lernzielkatalog essenziell ist. Theorie und Praxis sollen im Sinne einer didaktischen Lernspirale von Beginn des Studiums an eng miteinander verzahnt werden. Während theoretisches Grundlagenwissen unverzichtbar bleibt, besteht zugleich ein hoher Bedarf an einer stärkeren strukturellen Verankerung praktischer Ausbildungsanteile.

In diesem Zusammenhang wurde die stärkere Integration von Skillslab-Kursen in das Curriculum diskutiert. Insbesondere der Ausbau bestehender Angebote sowie die Nutzung von Peer-Teaching-Ansätzen könnten sowohl die praktische Ausbildung verbessern als auch personelle Ressourcen effizienter einsetzen. Praktische Lehrformate sollten dabei nicht fakultativ, sondern als fester Bestandteil des Curriculums etabliert werden.

Kritisch diskutiert wurden zudem bestehende Lehrformate: Blockpraktika bieten derzeit häufig zu wenig Raum für eigenständige praktische Tätigkeiten mit einer Feedbackkultur zur Kompetenzentwicklung der Studierenden und sind zu stark durch theoretische Wissensvermittlung geprägt. Studierende sollten frühzeitig und unter Supervision aktiv in die Patientenversorgung eingebunden werden.

Als weitere Maßnahmen wurden die stärkere Etablierung von Case-Based Learning und Clinical Reasoning hervorgehoben. Auch qualitativ hochwertiges Feedback zu praktischen Fertigkeiten wurde als zentraler Bestandteil der Ausbildung identifiziert.

Im Hinblick auf die Überprüfung der PJ-Reife sprachen sich die Teilnehmenden gegen einen zusätzlichen aufwendigen PJ-Reife-OSCEs (OSCE- Objective Structured Clinical Examination) aus. Stattdessen wurde das bestehende Staatsexamen (M2) als ausreichende Grundlage angesehen. Ergänzend wurde die Einführung eines Logbuchs zur Dokumentation praktischer Kompetenzen über den gesamten klinischen Studienabschnitt als sinnvoll hervorgehoben. Kleinere OSCEs (z.B. am Ende des 4. und 5. Studienjahres) zur Überprüfung grundlegender Fertigkeiten sollen erhalten und als fächerübergreifende OSCE‘s ausgebaut werden.

Die Konferenz machte deutlich, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Curriculums notwendig ist, um dem stetigen Wissenszuwachs gerecht zu werden und gleichzeitig Raum für neue, praxisrelevante Inhalte zu schaffen. Dies erfordert die Bereitschaft, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und innovative Lehrkonzepte zu implementieren.

Studiengangskonferenz Teilnehmende der Podiumsdiskussion

Foto: Teilnehmehmende der Podiumsdiskussion von links nach rechts: Dr. Kirstin Winkler-Stuck (Leiterin des Studiendekanats), Prof. Dr. Christoph Lohmann (Studiendekan), Pia Rebmann (Medizinische Fakultät Rostock, externe Berufsvertretung), Josef Caballero (Medizinische Fakultät Halle, externe studentische Vertretung), Dr. Kathrin Feindt (Qualitäts- und Studiengangsentwicklung der OVGU), Melis Tas (studentische interne Vertretung), Jenny Appelt (Fakultätsqualitätsbeauftragte Humanmedizin), Niklas Leschowski (St. Marien Hospital Lünen, Alumni), Dr. Matthias Kunz (interne Berufsvertretung), Prof. Dr. Thorsten Schäfer (Studiendekan und Leiter des Zentrums für Medizinische Lehre, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, externer Hochschulprofessor). Foto: privat

Letzte Änderung: 29.04.2026 - Ansprechpartner: Webmaster