Einarbeitungsteam Pflege

Mit einem strukturierten Einstieg Sicherheit geben und neue Kolleginnen und Kollegen auf ihrem Weg begleiten, das ist die Aufgabe des „Einarbeitungsteams Pflege“ an der Universitätsmedizin Magdeburg. Im Interview berichtet Praxisanleiter Benjamin Konrad, warum eine gute Einarbeitung weit mehr ist als die Vermittlung von Abläufen und weshalb Offenheit und gegenseitiges Lernen dabei eine zentrale Rolle spielen.

Stellen Sie sich bitte kurz vor: Wer sind Sie und welche Aufgabe haben Sie im Einarbeitungsteam Pflege?

Mein Name ist Benjamin Konrad. Meine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger habe ich am Klinikum Region Hannover in Neustadt am Rübenberge absolviert. Direkt im Anschluss bin ich ans Universitätsklinikum Magdeburg gekommen, an dem ich seit April 2012 arbeite. 2023 habe ich die Weiterbildung zum Praxisanleiter abgeschlossen.

Das Einarbeitungsteam Allgemeinpflege gibt es seit dem 1. Januar 2025. Aktuell sind wir zu zweit: Ich begleite neue Mitarbeitende in der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie sowie in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie. Mein Kollege Toni Winter ist seit Oktober 2025 dabei und betreut die Klinik für Unfallchirurgie, die Orthopädische Universitätsklinik und die Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie. Für die Pädiatrie gibt es ein eigenes Team.

Team UMMD_Einarbeitung Pflege_UMMD

Foto: Toni Winter und Benjamin Konrad bilden das "Einarbeitungsteam Pflege". Fotografin: Melitta Schubert/UMMD

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, Teil des Einarbeitungsteams zu werden?

Mich reizt die Vielfalt der Aufgabe. Jeder neue Mitarbeitende bringt andere Erfahrungen, Kenntnisse und Sichtweisen mit — deshalb gleicht keine Einarbeitung der anderen.

Dabei lerne ich selbst ständig dazu. Ich vermittle Wissen und Erfahrung, bekomme aber genauso neue Impulse aus anderen Häusern, Fachbereichen und Arbeitsweisen — manchmal reicht schon ein ehrliches „Warum macht ihr das eigentlich so?", um einen eingefahrenen Ablauf neu zu denken. Das bringt mich immer wieder dazu, mein eigenes Handeln zu hinterfragen: Sind unsere Abläufe noch sinnvoll? Entsprechen sie dem aktuellen fachlichen Stand? Oder können wir etwas besser machen?

Was macht für Sie eine gute Einarbeitung in der Pflege aus?

Eine gute Einarbeitung schafft zuerst Sicherheit und führt dann Schritt für Schritt zur Selbstständigkeit. Neue Mitarbeitende wissen bei uns: Sie können jederzeit nachfragen und bekommen Unterstützung, wenn sie sie brauchen. Gleichzeitig trauen wir ihnen von Woche zu Woche mehr zu, bis sie ihre Aufgaben eigenständig und verantwortungsvoll übernehmen.

Ein Beispiel: Eine Kollegin kam aus einem kleineren Krankenhaus zu uns und war anfangs vor allem von der digitalen Dokumentation und den vielen internen Abläufen überfordert. Wir haben die Themen gemeinsam sortiert, in Ruhe geübt und regelmäßig besprochen, was schon gut läuft. Am Ende ihrer Einarbeitung hat sie ihren Bereich völlig selbstständig geführt und mir gesagt, wie viel ihr diese anfängliche Rückendeckung bedeutet hat.

Möglich macht das vor allem, dass wir für diese Aufgabe von der regulären Patientenversorgung freigestellt sind. Ohne diese Freistellung läuft die Begleitung nebenbei, zusätzlich zum Stationsalltag — gerade bei hoher Arbeitsbelastung ist das kaum zu leisten. Wir dagegen können uns gezielt Zeit nehmen, Entwicklungen beobachten und mit den neuen Mitarbeitenden und den Stationsteams im Gespräch bleiben.

Welche Herausforderungen erleben neue Pflegefachkräfte häufig, wenn sie an einem großen Klinikum starten?

Das Universitätsklinikum Magdeburg ist ein großes Haus mit zahlreichen Fachbereichen, Zuständigkeiten und internen Abläufen. Wer hier neu beginnt, muss zunächst sehr viele Informationen aufnehmen: neue Teamstrukturen, organisatorische Prozesse, Dokumentationsanforderungen, digitale Systeme und dazu die Besonderheiten der jeweiligen Station. Selbst erfahrene Pflegefachkräfte fühlen sich da am Anfang manchmal unsicher.

Das ist völlig normal: Die Pflegeforschung beschreibt diese anfängliche Überforderung als vorhersehbaren Teil des Übergangs in eine neue berufliche Rolle und nicht als persönliches Versagen. Genau deshalb begleiten wir diesen Übergang strukturiert, statt ihn dem Zufall zu überlassen.

Wenn wir merken, dass die Menge an Neuem zu groß wird, bringen wir gemeinsam Struktur hinein: Was ist jetzt wichtig? Was kann später vertieft werden? Niemand muss am ersten Tag oder in der ersten Woche alles wissen und beherrschen. Klare Prioritäten, verständliche Erklärungen und regelmäßiger Austausch machen aus einer unübersichtlichen Situation einen nachvollziehbaren Lernprozess.

Gibt es einen festen Ablaufplan für die Einarbeitung oder passen Sie die Begleitung individuell an?

Wir haben einen strukturierten Rahmen, ja — aber keinen starren Plan, der für alle gleich wäre. Wie lange die Einarbeitung dauert, richtet sich danach, welche Berufserfahrung jemand mitbringt und aus welchem Bereich er oder sie kommt — eine erfahrene Kraft aus einem verwandten Fachgebiet braucht eine andere Begleitung als jemand, der frisch examiniert ist oder den Bereich komplett wechselt.

Fest verankert sind dagegen die Gespräche: ein ausführliches zu Beginn und ein Zwischengespräch nach sechs Wochen. Dort schätzen wir den Stand gemeinsam ein, nicht nur bei den pflegerischen Tätigkeiten, sondern auch bei organisatorischen Abläufen, der digitalen Dokumentation oder schlicht der Orientierung im Klinikum.

Wichtig ist mir dabei: Wir schauen nicht nur auf das, was noch fehlt. Genauso entscheidend ist, vorhandene Kompetenzen zu erkennen und daran anzuknüpfen. Auf dieser Grundlage passen wir die Begleitung an und prüfen regelmäßig, ob der eingeschlagene Weg noch zum Mitarbeitenden und zur Station passt. Unser Ziel: weder zu viel voraussetzen noch vorhandene Erfahrung unterschätzen.

Was macht für Sie eine gute Willkommenskultur in der Pflege aus?

Zuerst braucht es feste Ansprechpersonen. Neue Mitarbeitende müssen wissen, an wen sie sich mit Fragen, Problemen oder Ideen wenden können.

Genauso wichtig ist die Haltung des gesamten Stationsteams: neue Kolleginnen und Kollegen mit Offenheit und ehrlichem Interesse aufnehmen und nicht jede neue Sichtweise mit dem Satz abwehren: „Das haben wir schon immer so gemacht." Gerade die Impulse von außen bringen eine Station weiter.

Am Ende haben beide Seiten dasselbe Ziel: Die neue Pflegefachkraft möchte sicher ankommen, und die Station möchte eine verlässliche Kollegin oder einen verlässlichen Kollegen gewinnen. Dieses gemeinsame Ziel sollte vom ersten Tag an spürbar sein.

Was wünschen Sie sich von neuen Mitarbeitenden, damit die Einarbeitung gut gelingt?

Vor allem zwei Dinge: Offenheit und den Mut, Fragen zu stellen. Niemand kann beim Start in einem neuen Klinikum alle Abläufe kennen, deshalb ist es viel besser, Unsicherheiten anzusprechen, als sie zu verbergen.

Hilfreich ist auch, ehrlich zu sagen, was man braucht: mehr Erklärung, mehr praktische Übung, mehr Rückmeldung. Dann können wir uns nach dem richten, was wirklich gebraucht wird — und nicht nach dem, was wir nur vermuten.

Warum lohnt es sich, seine berufliche Zukunft an der UMMD zu starten?

Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen: Ich bin damals direkt nach meiner Ausbildung ans Universitätsklinikum gekommen — ein freigestelltes Einarbeitungsteam, wie es heute existiert, gab es für mich noch nicht. Genau deshalb weiß ich, welchen Unterschied ein sicherer, begleiteter Einstieg macht und genau den bekommen neue Kolleginnen und Kollegen heute bei uns.

Als Universitätsmedizin sind wir nah an aktuellen medizinischen und pflegerischen Entwicklungen und ein großes Haus bietet vielfältige Perspektiven: unterschiedliche Fachbereiche, Aufgabenfelder und Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung. Wer bereit ist, sich einzubringen und weiterzulernen, findet an der UMMD viel Raum, den eigenen beruflichen Weg langfristig zu gestalten. Dass das funktioniert, sehe ich an mir selbst: Mein Weg vom Berufsanfänger über die Praxisanleitung bis ins Einarbeitungsteam ist dafür das beste Beispiel.

Letzte Änderung: 11.08.2026 - Ansprechpartner: Webmaster