Johanna Sänger

Die Medizinhistorische Ausstellung der Lungenklinik Lostau ist weit mehr als eine Sammlung alter Geräte. Johanna Sänger hat die Ausstellung mit großem persönlichen Einsatz über Jahre hinweg eigenständig aufgebaut – ganz ohne finanzielle Mittel. Sie sammelte historische Exponate, organisierte die Räume und schuf aus vielen einzelnen Objekten eine eindrucksvolle Sammlung zur Geschichte der Klinik. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht die Geräte selbst, sondern die Geschichten dahinter – und die Entwicklung der Lungenklinik über mehr als ein Jahrhundert. Im Interview verrät sie uns mehr darüber.

Was ist in der Ausstellung zu sehen?

Im Zentrum der Ausstellung stehen historische Medizingeräte aus dem Klinikalltag. Sie erzählen jedoch weniger ihre eigene Technikgeschichte als vielmehr die Geschichte der Lungenklinik selbst.

Gegründet wurde die Klinik im Jahr 1902 als Tuberkulose-Heilstätte für Männer. Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie mehrfach erweitert, die letzte größere Bauphase lag um das Jahr 2000.

Die Exponate reichen bis etwa 1910 zurück. Zu sehen sind zum Beispiel frühe Pneumothoraxgeräte. Viele Objekte werden durch erklärende Hinweise ergänzt und in ihren historischen Kontext eingeordnet.

Johanna Sänger-skossmann

Foto: Johanna Sänger. Fotografin: Sarah Kossmann/UMMD

Seit wann gibt es die Ausstellung und wie ist sie entstanden?

Mit dem Aufbau der Ausstellung begann ich im Jahr 2010. Damals habe ich begonnen, Exponate zusammenzutragen und geeignete Räume zu organisieren. In ihrer heutigen Form besteht die Ausstellung seit 2015.

Wie kam es zu Ihrem ehrenamtlichen Engagement?

Meine Verbindung zur Lungenklinik ist sehr eng, ich habe dort über 50 Jahre in der medizinischen Fachbibliothek gearbeitet. Diese existiert heute nicht mehr, die Bestände sind inzwischen Teil der Geschichte der Einrichtung.

Als ich in Rente ging, begann ich, mich intensiver mit der Idee einer Ausstellung zu beschäftigen. Ich suchte nach Räumen, sammelte historische Geräte und begann, die Geschichte der Klinik sichtbar zu machen. Unterstützung bekam ich dabei von Handwerkern und Hausmeistern, die mir beim Transport der oft schweren Exponate geholfen haben.

An wen richtet sich die Ausstellung in erster Linie?

Die Ausstellung richtet sich vor allem an Pflegeschülerinnen und -schüler sowie an Menschen mit fachlichem Interesse. Sie ist bewusst spezialisiert gehalten und umfasst drei Ausstellungsräume.

Gibt es ein Lieblingsstück in der Ausstellung?

Ein einzelnes Lieblingsstück habe ich nicht – mir liegt das Gesamtkonzept am Herzen.

Besonders schätze ich aber auch die kleinen kuriosen Details, die der Ausstellung Leben verleihen. Dazu gehört zum Beispiel ein Brief eines Chefarztes aus den 1950er Jahren, in dem er einen Gastwirt bittet, weniger Bier auszuschenken, da Patienten regelmäßig alkoholisiert in die Klinik zurückkehrten.

Impressionen der Medizinhistorischen Ausstellung der Lungenklinik Lostau. Fotografin: Sarah Kossmann/UMMD (8 Bilder)
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Was wünschen Sie sich für die Ausstellung?

Ich wünsche mir, dass Besucherinnen und Besucher einen Eindruck davon bekommen, wie das Leben in der damaligen Heilstätte wirklich war.

Bis in die späten 1950er Jahre war die Klinik eine reine Lungenheilstätte. Später änderten sich die Krankheitsbilder deutlich, unter anderem durch das Auftreten von Krebserkrankungen. Diese Entwicklung prägt die Geschichte der Einrichtung bis heute.

Was passiert mit der Ausstellung in Zukunft?

Bald werde ich mein Ehrenamt niederlegen und gehe sozusagen zum zweiten Mal in Rente. Die Ausstellung bleibt jedoch bestehen. Künftig werden die Führungen von zwei Mitarbeiterinnen der Klinik übernommen.

Der Eintritt in die Ausstellung ist kostenlos, ein Besuch nur nach vorheriger Anmeldung über die Pforte der Klinik möglich.

Wir danken Johanna Sänger herzlich für das Gespräch und ihr außergewöhnliches Engagement, mit dem sie die Geschichte der Lungenklinik Lostau lebendig hält.

Letzte Änderung: 01.07.2026 - Ansprechpartner: Webmaster