Zwei Leben gerettet – dramatischer Notfalleinsatz kurz vor Weihnachten
Heute wirkt alles ganz selbstverständlich: Katherina Lazko hält ihre gut drei Monate alte Tochter Victoria im Arm. Doch noch vor wenigen Wochen war keineswegs sicher, dass beide überleben würden.
Am Abend des 23. Dezember 2025 entwickelte sich an der Universitätsmedizin Magdeburg ein dramatischer Notfall. Eine hochschwangere Patientin schwebte in akuter Lebensgefahr. Mehrere Fachdisziplinen arbeiteten im Wettlauf gegen die Zeit mit dem Ziel, zwei Leben zu retten.
„Dass Mutter und Kind diese dramatische Situation überlebt haben, ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit aller Disziplinen“, sagt Prof. Alexander Schmeißer, stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsklinik für Kardiologie und Angiologie Magdeburg. Neben der medizinischen Expertise habe auch eine Portion Glück eine Rolle gespielt.

Foto (von links): Dr. József Mészáros, Gynäkologe und stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsfrauenklinik; Prof. Rüdiger C. Braun-Dullaeus, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie und Angiologie; Boris Kuzmin, Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie; Dr. Cassandra Kirst, Oberärztin der Universitätskinderklinik; Mutter Katherina Lazko mit ihrer Tochter Victoria; Mariam Janashia und Dr. Marie Tiedge, Oberärztinnen der Universitätsklinik für Kardiologie und Angiologie; sowie Prof. Alexander Schmeißer, stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsklinik für Kardiologie und Angiologie Magdeburg. Fotografin: Melitta Schubert / UMMD
Für das Ärzteehepaar Raman und Katherina Lazko aus Salzwedel war es das dritte Kind. Die Schwangerschaft verlief zunächst unauffällig. Noch beim Geburtsplanungstermin am 18. Dezember waren alle Untersuchungen ohne Befund. Vier Tage später jedoch traten plötzlich starke Kopfschmerzen auf; Schmerzmittel brachten kaum Linderung. Es folgten innere Unruhe, Zittern, massiver Bluthochdruck, Herzrasen sowie Übelkeit und Erbrechen.
Die 35-Jährige stellte sich zunächst im Altmark-Klinikum vor, wo sie selbst in der Inneren Medizin tätig ist. Anfangs fanden sich keine eindeutigen Hinweise auf eine schwerwiegende Ursache. Doch der Zustand verschlechterte sich dramatisch: Es trat Bluthusten auf, und das EKG zeigte lebensbedrohliche Veränderungen. Die Patientin wurde auf die Intensivstation verlegt – wenig später erfolgte der Notruf an die Universitätsmedizin Magdeburg.
Am 23. Dezember gegen 22 Uhr landete der Hubschrauber auf dem Campus der Universitätsmedizin. Für solche Situationen bestehen klar definierte und eingespielte Notfallabläufe, die sofort in Kraft traten. Dr. József Mészáros, Gynäkologe und stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsfrauenklinik, erklärt: „Die Patientin war hochinstabil. Um ihr Leben zu retten, mussten wir ihr acht Monate altes Kind vorzeitig holen – eine Entscheidung, bei der wir für zwei Leben gleichzeitig gekämpft haben.“
Der zentrale OP-Saal war vorbereitet. „Entscheidend war das sofortige, perfekt abgestimmte Zusammenspiel aller beteiligten Disziplinen“, so der Gynäkologe. Gemeint ist die enge Zusammenarbeit von Herzspezialisten, Anästhesisten, Geburtshelfern und Kinderärzten sowie Pflegefachkräften.
Bei der Patientin lag ein schweres akutes Herzversagen vor. „In solchen Situationen zählt jede Minute“, betont Prof. Schmeißer. „Nur durch das eingespielte Zusammenspiel aller beteiligten Disziplinen und die vorhandene intensivmedizinische Infrastruktur konnten wir so schnell handeln.“
Um 0.55 Uhr wurde Victoria per Kaiserschnitt geboren. Nach der Erstversorgung durch das Team der Neonatologie um Oberärztin Dr. Cassandra Kirst kam das Frühchen auf die Frühgeborenenstation des Perinatalzentrums Level 1 der Universitätskinderklinik.

Foto (v.l.): Prof. Rüdiger C. Braun-Dullaeus, Dr. Cassandra Kirst, Mutter Katherina Lazko mit ihrer Tochter Victoria. Fotografin: Melitta Schubert / UMMD
„Wir sind darin trainiert, regelmäßig Neu- und Frühgeborene außerhalb unserer Heimatklinik zu versorgen, und jederzeit in der Lage, sehr kranke Kinder mit unserem Team des Transportinkubator-Holdienstes in unser Perinatalzentrum zu transportieren. An diesem Abend fand die Versorgung jedoch außerhalb geburtsklinischer Versorgungsstrukturen statt, was von unserer Seite etwas mehr organisatorische Flexibilität erforderte als sonst. Aufgrund der intensivmedizinischen Behandlung der kritisch kranken Mutter war zu erwarten, dass wir ein Kind versorgen würden, das zunächst keine eigene Atmung zeigen würde. Dank der guten interdisziplinären Zusammenarbeit und der sorgfältigen Vorbereitung konnte Victoria zunächst beatmet und stabilisiert werden. Nach etwa zehn Stunden begann sie selbstständig zu atmen und kam gut ins Leben“, so Dr. Kirst.
Der Zustand der Mutter blieb kritisch. „Beide Herzkammern pumpten nur noch unzureichend“, erklären die diensthabenden Kardiologinnen Mariam Janashia und Dr. Marie Tiedge. Die Oberärztin Janashia stand zunächst in telefonischem Austausch mit Prof. Schmeißer. Es wurde entschieden, die Patientin noch in der Nacht an eine externe Herz-Lungen-Maschine (ECMO) anzuschließen, um den Kreislauf zu stabilisieren. Dies geschah gemeinsam mit dem Oberarzt Boris Kuzmin von der Universitätsklinik für Herzchirurgie. Auf diese Weise konnte der Kreislauf zunächst stabilisiert werden.
Der Nachteil dieses künstlichen Kreislaufsystems bestand jedoch darin, dass das Herz durch das Einpressen des Blutes zusätzlich belastet wurde. „Das Herz vergrößerte sich zunehmend und drohte, das Pumpen vollständig einzustellen, sodass der Kreislauf hätte versagen können“, sagt Prof. Schmeißer.
Um das Herz zu entlasten, entschloss sich das diensthabende Team um Prof. Schmeißer am Morgen, zusätzlich eine kleine Kreiselpumpe über die Leistenarterie in das linke Herz einzusetzen, die das Blut aktiv absaugt.
„Und das hatte Erfolg“, so Klinikdirektor Prof. Rüdiger Christian Braun-Dullaeus. An die ersten Tage nach dem Eingriff hat Katherina Lazko kaum Erinnerungen. Sie berichtet von einem Traum, in dem sie einen Jungen geboren habe. Erst als ihr Mann ihr mitteilte, dass ihr Kind ein Mädchen sei, wurde ihr klar, dass sie sich in einem Delirium befunden hatte.
Für Prof. Braun-Dullaeus steht fest: „Solch komplexe, fachübergreifende Notfälle können nur an Universitätskliniken oder großen spezialisierten Zentren rund um die Uhr versorgt werden.“ Auch für das erfahrene Team sei dieser Einsatz etwas Besonderes gewesen: „Auch nach Jahrzehnten im Beruf bleibt ein solcher Fall außergewöhnlich und sehr bewegend.“
