Wie wir das Gehirn fit halten
Informationsveranstaltung zeigt erste Ergebnisse, Übungen und praktische Tipps für geistige Fitness im Alltag
Wie lässt sich die geistige Gesundheit bis ins hohe Alter unterstützen? Und welche Ansätze könnten im Alltag hilfreich sein? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung im Rahmen des Forschungsprojekts „Cognitive Vitality“ der Universitätsmedizin Magdeburg. Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie körperliche Aktivität, mentale Übungen und soziale Faktoren die geistige Gesundheit beeinflussen könnten und welche Maßnahmen sich daraus ableiten lassen. Die aktive Beteiligung von Betroffenen und Interessierten ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Rund 45 Personen informierten sich über erste Zwischenergebnisse und brachten eigene Erfahrungen ein. Für Patientinnen und Patienten sowie Angehörige sind diese Erkenntnisse relevant, da sie mögliche Wege aufzeigen, wie sich geistige Fitness im Alltag unterstützen lässt.
Zu Beginn der Veranstaltung gab Prof. Dr. Dr. Christian Apfelbacher, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG), einen verständlichen Überblick über die Bedeutung geistiger Gesundheit aus Sicht der Versorgungsforschung. Er erläuterte, warum partizipative Ansätze – bei denen Bürgerinnen und Bürger aktiv in Forschungsprojekte eingebunden werden – zunehmend an Bedeutung gewinnen. So können wissenschaftliche Fragestellungen praxisnah entwickelt werden, und die Ergebnisse erreichen eher die Menschen, für die sie relevant sind.
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Foto: Aktiv Forschung mitgestalten: Im Rahmen des Projekts „Cognitive Vitality“ tauschen sich die beiden Forschenden Dr. Robert Pohl (l.) und Gina Friedriszik (r.) mit Teilnehmenden über praktische Ansätze für mehr mentale Gesundheit aus. Ihre Erfahrungen sind wichtig für die weitere Arbeit des Forschungsteams. Fotografin: Melitta Schubert/UMMD
Erste Hinweise auf mögliche Effekte im Alltag
Neurowissenschaftlerin Dr. Judith Wesenberg vom Institut für Kognitive Neurologie und Demenzforschung Magdeburg präsentierte erste vorläufige Ergebnisse aus einer aktuell laufenden Trainingsstudie im Rahmen der Mittel-Elbe-Plattform, die Teil des Forschungsprojekts „Cognitive Vitality“ ist. Bisher haben 40 Personen im Alter von 60 Jahren und älter acht Wochen lang an Achtsamkeits- und Gleichgewichtsübungen teilgenommen. Erste messbare Trainingseffekte zeigten sich hier:
- Achtsamkeitstraining: Weniger Grübeln, geringere Ängstlichkeit und Hinweise auf mehr Selbstmitgefühl
- Gleichgewichtstraining: Verbesserte Stabilität beim Gehen und weniger Schwindelgefühle
- Alltag und Wohlbefinden: Leichte Verbesserungen bei Schlafqualität und allgemeinem Wohlbefinden
- Kognitive Leistung: Erste Hinweise auf verbesserte Gedächtnisleistungen und exekutive Funktionen
Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass es sich um vorläufige Ergebnisse handelt. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen und die Effekte müssen in weiteren Analysen bestätigt werden.
Bürgerbeirat als Brücke zwischen Forschung und Alltag
Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung war der Austausch zwischen Studienteilnehmenden, Forschenden und dem Bürgerbeirat „Civic Stakeholder Board“, der das Projekt seit 2025 begleitet. Ziel des Beirats ist es, sicherzustellen, dass Trainingsprogramme nicht nur theoretisch wirksam sind, sondern auch im Alltag praktikabel und nützlich für ältere Menschen.
Im interaktiven Teil berichteten einige Teilnehmende der Mittel-Elbe-Kohorte von ihren Erfahrungen mit den Übungen und halfen so, die Ergebnisse einzuordnen. In Kleingruppen wurden persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und unterstützende Ressourcen im Bereich der kognitiven Gesundheit diskutiert.
„Besonders wertvoll war der direkte Dialog mit den Teilnehmenden“, betonten Gina Friedriszik und Dr. Robert Pohl vom ISMG. „Die zahlreichen Beiträge und persönlichen Erfahrungen liefern wichtige Impulse für unsere weitere Arbeit.“
Die Veranstaltung zeigte deutlich, wie groß das Interesse an Themen der geistigen Gesundheit ist und wie wichtig der kontinuierliche Dialog zwischen Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürgern bleibt. Auf Grundlage der bisherigen Hinweise könnten Bewegungs- und Achtsamkeitsprogramme weiterentwickelt werden. Ob und in welchem Umfang diese Maßnahmen langfristig wirksam sind, muss jedoch noch durch weitere Forschung geprüft werden.
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Die Forschung wird durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert.
