Erste Lehrpraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Sachsen-Anhalt

27.03.2026 -  

Die Universitätsmedizin Magdeburg stärkt die Ausbildung im ambulanten Bereich und setzt Zeichen für Nachwuchsgewinnung in der Kinder- und Jugendmedizin.

Ein Novum für die medizinische Ausbildung in Sachsen-Anhalt: Erstmals können Medizinstudierende einen Abschnitt ihres Praktischen Jahres (PJ) im Fach Kinder- und Jugendmedizin in einer ambulanten Lehrpraxis absolvieren. Die Praxis „Kinderärzte am Dom“ in Magdeburg ist ab 1. April 2026 als Akademische Lehrpraxis in das Ausbildungsnetzwerk der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eingebunden.

Urkundenübergabe an die Kinderarztpraxis Kinderärzte am Dom in Magdeburg_Melitta Schubert

Foto: Urkundenübergabe an das Team der Magdeburger Kinderarztpraxis „Kinderärzte am Dom“. Im Bild (v. l.): die Praxisinhaberinnen Dr. med. Diana Straubel und Lisa Klug sowie Dekanin Prof. Daniela Dieterich und Prof. Dr. Gunther Gosch. Foto: Melitta Schubert

Während PJ-Lehrpraxen bislang vor allem in der Allgemeinmedizin angesiedelt sind, eröffnet die neue Vereinbarung Studierenden erstmals einen strukturierten Einblick in die ambulante pädiatrische Versorgung. Pro Ausbildungsabschnitt (Tertial) steht ein Ausbildungsplatz im Wahlfach Kinder- und Jugendmedizin zur Verfügung. Die PJ-Studierenden können bis zu acht Wochen in der Lehrpraxis verbringen. Ziel ist es, die Vielfalt dieses Fachgebiets früh erlebbar zu machen und den dringend benötigten ärztlichen Nachwuchs zu fördern.

Die Dekanin der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Daniela Dieterich, sieht in der Kooperation einen wichtigen Impuls für Ausbildung und Versorgung: „Mit der ersten pädiatrischen PJ-Lehrpraxis in Sachsen-Anhalt erweitern wir die praktische Ausbildung unserer Studierenden um eine zentrale Perspektive der ambulanten Medizin. Die Kinder- und Jugendmedizin ist ein Fachgebiet mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung und wachsendem Bedarf an Nachwuchs. Indem Studierende frühzeitig Einblicke in die evidenzbasierte ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen erhalten, stärken wir sowohl die Qualität der Ausbildung als auch langfristig die wohnortnahe medizinische Versorgung von Familien in unserer Region.“

Auch Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann freut sich über das neuartige Angebot: „Gerade in der Medizin gehören Theorie und Praxis untrennbar zusammen. Um kranke Menschen erfolgreich zu behandeln, braucht es neben akademischem Fachwissen und Empathie auch ganz praktische Kenntnisse, etwa zur Organisation ambulanter Versorgung. Die Einbindung der neuen Lehrpraxis ermöglicht Medizinstudierenden in Magdeburg dabei künftig Einblicke in den wichtigen Bereich der Kinder- und Jugendmedizin. Davon werden alle Beteiligten profitieren.“

Verknüpfung von Studium und ambulanter Versorgung

Die Ausbildung erfolgt patientennah und strukturiert begleitet: Studierende vertiefen ihre Kenntnisse im direkten Kontakt mit jungen Patientinnen und Patienten und ihren Familienangehörigen, sie übernehmen entsprechend ihres Ausbildungsstandes ärztliche Aufgaben unter Anleitung und nehmen an Fallbesprechungen sowie Fortbildungen teil. Ein Teil des jeweiligen PJ-Tertials wird weiterhin im stationären Setting am Universitätsklinikum Magdeburg absolviert, sodass ambulante und klinische Erfahrungen eng miteinander verzahnt sind.

Die Praxisinhaberinnen Lisa Klug und Dr. med. Diana Straubel, Fachärztinnen für Kinder- und Jugendmedizin, begrüßen die Zusammenarbeit: „Die ambulante Pädiatrie vermittelt zusätzlich zur klinischen Kinder- und Jugendmedizin ein breites Spektrum an präventiven und beratenden Aufgaben. Als Lehrpraxis möchten wir zeigen, wie vielfältig und verantwortungsvoll dieses Fach ist und Begeisterung für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien wecken“, so Dr. Straubel.

Klug ergänzt: „Die Ernennung zur ersten pädiatrischen PJ-Lehrpraxis im Land verstehen wir auch als positives Signal für unser Fachgebiet. Nachwuchsförderung beginnt mit guten Einblicken in den Berufsalltag und dieser findet sowohl in der Klinik als auch in der Praxis statt. Wir freuen uns, gemeinsam mit der Universitätsmedizin Magdeburg zur Ausbildung zukünftiger Kolleginnen und Kollegen beizutragen.“

Die Praxis „Kinderärzte am Dom“, 1998 gegründet vom heutigen Honorarprofessor für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Magdeburg, Prof. Dr. Gunther Gosch, ist bereits seit mehreren Jahren in die studentische Ausbildung eingebunden. Gosch, der weiterhin als Facharzt in der Praxis tätig ist, bringt seine langjährige Erfahrung in ambulanter Pädiatrie, Ultraschalldiagnostik sowie in der Impf- und Infektionsmedizin in die Lehre ein. Mit der formalen Anerkennung als PJ-Lehrpraxis wird diese gewachsene Zusammenarbeit nun strukturell ausgebaut und verstetigt. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen wünscht sich Prof. Gosch, dass sich in naher Zukunft weitere Kinder- und Jugendarztpraxen in Sachsen-Anhalt als Akademische Lehrpraxen in die Ausbildung der Medizinstudierenden strukturiert einbringen.

Das Netz Akademischer Lehrpraxen aus dem Bereich der Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Magdeburg umfasst insgesamt 22 PJ-Praxen. Mit der Einbindung geeigneter Praxen in das Praktische Jahr folgt die Fakultät den Vorgaben der Approbationsordnung für Ärztinnen und Ärzte und stärkt gezielt die Verzahnung von universitärer Ausbildung und ambulanter Versorgung.

Letzte Änderung: 07.04.2026 - Ansprechpartner: Webmaster